Vortag von Lutz O. Freiberg: „Strukturmigration im Mittelbereich Templin (StimMT)“ 15.11.16 im Rahmen der Veranstaltung „Innovationsfonds – Die ersten Projekte mit Förderbescheid“ des Bundesverbandes Managed Care e.V.

Innovationsfonds bezuschusst Projekt von IGiB und Sana Kliniken

14,5 Mio. Euro aus dem Innovationsfonds gehen für das Projekt „Strukturmigration im Mittelbereich Templin“ nach Brandenburg. Mit dem Geld sollen in Templin und Umgebung neue sektorenübergreifende Versorgungsformen entwickelt und ausprobiert werden. Das teilten die Antragsteller und Projektpartner, die Arbeitsgemeinschaft „Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg“ (IGiB) – bestehend aus Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg (KVBB), AOK Nordost und BARMER GEK – und die Sana Kliniken Berlin- Brandenburg, am 8. November vor Journalisten in Berlin mit.

Herzstück des Projektes ist ein ambulant-stationäres Zentrum mit interdisziplinären Versorgungsangeboten, das am Sana Krankenhaus Templin entstehen soll. In diesem Zentrum würden ambulante und stationäre Kapazitäten zusammengeführt, erläuterte der KVBB-Vorstandsvorsitzende, Dr. med. Hans-Joachim Helming. Dies sei eine völlig neue Struktur zwischen Klinik und Praxis, die eine „Rundum- Betreuung“ der Patienten organisieren solle. Zudem werde eine Koordinierungs- und Beratungsstelle geschaffen, die sich um das Fallmanagement kümmert und die Patienten berät.

Die Versorgungsangebote der niedergelassenen Ärzte vor Ort würden über ein Ärztenetz integriert. Darüber hinaus sollen auch Pflegedienste und Rehabilitationseinrichtungen eingebunden sowie die Sozial- und Beratungskompetenz der Kommune genutzt werden.

IMG_6034Das Vorhaben besitze bundesweiten Modellcharakter und „wird eine Blaupause für eine nachhaltige medizinische Versorgung im ländlichen Raum“, betonte Lutz O. Freiberg, Geschäftsführer der IGiB. Schließlich lebten bundesweit 54 Prozent der Menschen in ländlichen Regionen. Und die Herausforderungen, vor denen gerade der ländliche Raum stehe, seien ähnlich – egal ob in Brandenburg, Niedersachsen oder Bayern.

Auf eine zukunftsfeste Versorgung ihrer Versicherten durch das Projekt hofft die AOK Nordost. „Als größte regionale Krankenkasse sehen wir in dem geförderten Modellprojekt eine große Chance, um medizinische, therapeutische und pflegerische Angebote besser zu vernetzen und für die Templiner auch künftig eine verlässliche Gesundheitsversorgung zu organisieren“, sagte Stefanie Stoff-Ahnis von der Geschäftsleitung der AOK Nordost.

„Unser Ziel ist eine abgestimmte, koordinierte Versorgung der medizinischen und pflegerischen Leistungen“, ergänzte die Landesgeschäftsführerin der BARMER GEK, Gabriela Leyh. Zukunftssichere Versorgungsangebote ließen sich besser etablieren, wenn eingefahrene Verhandlungswege verlassen und dazu alle Partner im Gesundheitswesen und die Entscheidungsträger der Region einbezogen würden. Es sei wichtig, von der Versorgung her zu denken.

Dem pflichtete Irmgard Wübbeling bei. Der Patient möchte im Krankheitsfall medizinisch gut versorgt werden. Ob dies ambulant oder stationär erfolge, sei für ihn zweitrangig, so die Sana-Regionalgeschäftsführerin für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie kündigte im Zuge des Projektes umfangreiche Umbauarbeiten im Templiner Krankenhaus an, welche speziell aus dem Strukturfonds des Landes gefördert werden.

Lob für das Vorhaben und die Projektpartner gab es von der brandenburgischen Gesundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt. In Brandenburg werde nicht nur über Stärkung und Sicherstellung der medizinischen Versorgung geredet, sondern auch gehandelt. „Damit kommen wir unserem gemeinsamen Ziel, Krankenhäuser der Grundversorgung zu ambulantstationären Gesundheitszentren der Zukunft weiterzuentwickeln, näher.“ Sie freue sich, dass der Krankenhausstandort Templin gestärkt und nicht zuletzt auch Arbeitsplätze vor Ort gesichert würden.

Das gelänge aber nur, so Dr. Helming, wenn diese Profilmigration konkurrenzfrei gemeinsam von Niedergelassenen und Klinik gestaltet werde und die Ärzte beider „Sektoren“ kooperative Betreuungsstrukturen entwickelten und praktizierten.

Frau Hartwig-Tiedt dankte allen beteiligten Partnern, dass sie gemeinsam in so guter Zusammenarbeit das Projekt angingen. Dies sei nicht überall selbstverständlich.